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Produktionsplanung für Lohnfertiger: viele Aufträge, kleine Losgrößen, kurzfristige Abrufe
Produktionsplanung in der Lohnfertigung heißt: viele parallele Kunden, kleine Lose, hoher Rüstanteil. Wie daraus eine Reihenfolge wird, die auch am Mittwoch noch trägt.
Ein Lohnfertiger plant nicht sein eigenes Programm. Er plant das, was am Vortag hereingekommen ist: vierzig offene Aufträge, vierzehn Kunden, Lose zwischen fünf und zweihundert Stück, dazu drei Abrufe, die über Nacht per Mail kamen. Produktionsplanung in der Lohnfertigung beginnt deshalb selten mit der Frage, ob genug Arbeit da ist. Sie beginnt mit der Frage, in welcher Reihenfolge diese Arbeit durch die Maschinen soll.
Diese Reihenfolge ist keine Sortierfrage. Sie entscheidet darüber, wie oft umgerüstet wird, welcher Kunde wartet, und ob am Freitag alles auf dem Lkw steht. Ein Serienfertiger kann eine gute Reihenfolge einmal festlegen und wochenlang fahren. In der Lohnfertigung ändert sie sich täglich, weil das Auftragsbuch sich täglich ändert.
Dieser Beitrag beschreibt, woran die Planung bei vielen kleinen Losen typischerweise hängt und wie man aus einem vollen Backlog eine tragfähige Reihenfolge macht – ohne PPS-Projekt und ohne Optimierungsalgorithmus.
Warum Produktionsplanung in der Lohnfertigung anders aussieht
Vier Eigenschaften des Geschäfts machen die Planung schwerer als im Lehrbuch:
- Der Auftragseingang ist fremdbestimmt. Sie wissen nicht, was nächste Woche kommt. Eine Jahresplanung gibt es faktisch nicht, planbar sind Wochen.
- Die Lose sind klein und die Teile wechseln. Dieselbe Maschine läuft heute mit Edelstahl-Drehteilen, morgen mit einem Aluminiumgehäuse.
- Jeder Kunde hat seinen eigenen Rhythmus. Rahmenaufträge mit Abrufen, Einzelanfragen, Erstmuster und Nacharbeit liegen gleichzeitig im Backlog.
- Der Rüstanteil ist hoch. Er ist die eigentliche Stellschraube – und die einzige, die Sie durch Reihenfolge beeinflussen können.
Der Rüstanteil bestimmt, wie viel Sie überhaupt schaffen
Rechnen wir mit einem Drehteil: 45 Minuten Rüstzeit, 3 Minuten Laufzeit pro Stück.
Bei einem Los von 20 Stück sind das 60 Minuten Laufzeit und 45 Minuten Rüsten – gut vier von zehn Maschinenminuten gehen fürs Einrichten drauf. Bei einem Los von 200 Stück stehen 600 Minuten Laufzeit gegen dieselben 45 Minuten; der Rüstanteil fällt unter ein Zehntel.
Daraus folgt etwas Unbequemes: Wer viele kleine Lose fährt, verliert einen erheblichen Teil seiner Kapazität an das Umrüsten – und merkt es nicht, wenn Rüst- und Laufzeit im Plan als eine Gesamtzeit geführt werden. Getrennte Zeiten sind in der Lohnfertigung keine Pedanterie, sondern die Voraussetzung dafür, überhaupt zu sehen, was eine Reihenfolge kostet. Mehr dazu in Rüstzeiten in der Produktionsplanung richtig berücksichtigen.
Vier Auftragsarten, die sich nicht gleich planen lassen
| Auftragsart | Typisch | Was die Planung braucht |
|---|---|---|
| Rahmenauftrag mit Abruf | Menge steht, Termin kommt kurzfristig | Vorgeplanter Platz, Rüstung bekannt |
| Einzelauftrag / Kleinserie | Neuer Kunde, neues Teil | Realistische Zeiten, Puffer für Überraschungen |
| Erstmuster | Eine oder wenige Stück, hoher Rüstaufwand | Eigener Slot, nicht zwischen Serienlose quetschen |
| Nacharbeit / Reklamation | Ungeplant, meist eilig | Fester Wochenanteil, sonst frisst sie den Plan |
Wenn alle vier Arten im selben Stapel liegen und nach Eingangsdatum abgearbeitet werden, entsteht genau das Muster, das viele Lohnfertiger kennen: Die Maschine läuft, alle sind beschäftigt, und trotzdem verschieben sich Termine.
Die Reihenfolge ist die eigentliche Entscheidung
An jeder Maschine ziehen zwei Kräfte gegeneinander. Technisch wäre es richtig, ähnliche Aufträge zusammenzuziehen: gleiches Spannmittel, gleiches Material, gleiche Werkzeuge. Kaufmännisch ist es richtig, den Auftrag mit dem nächsten Liefertermin zuerst zu fertigen.
Beides gleichzeitig geht nicht. Was in der Praxis funktioniert, ist eine Rangfolge statt eines Kompromisses:
Der Termin setzt die Grenze, die Rüstfamilie bestimmt die Reihenfolge innerhalb dieser Grenze.
Konkret: Sie legen fest, welche Aufträge in dieser Woche fertig werden müssen. Innerhalb der Woche sortieren Sie nicht nach Termin, sondern nach Rüstverwandtschaft. Drei Aufträge desselben Kunden mit derselben Aufspannung laufen hintereinander, auch wenn einer davon erst Freitag fällig ist. Was sich nicht mehr in die Woche schieben lässt, ohne einen Termin zu reißen, bleibt eine Woche liegen – bewusst, nicht aus Versehen.
Diese Regel lässt sich von Hand anwenden und kostet nichts außer Konsequenz. Voraussetzung ist nur, dass man auf einen Blick sieht, was in welcher Woche fällig ist und was auf welcher Maschine schon liegt. Zur Priorisierung im Detail: Fertigungsaufträge priorisieren.
Produktionsplanung in der Lohnfertigung: fünf Schritte zur Wochenreihenfolge
So kommen Sie von einem vollen Backlog zu einem Plan, der hält. Die Schritte in dieser Reihenfolge, einmal pro Woche, danach täglich nur noch nachziehen.
- Engpässe benennen. Nicht jede Maschine ist Engpass. In den meisten Betrieben sind es zwei oder drei – oft eine Fräsmaschine und ein Handarbeitsplatz wie Entgraten oder Prüfen. Planen Sie diese Maschinen genau, den Rest grob.
- Terminfenster je Auftrag festlegen. Nicht Tag und Stunde, sondern Woche. Ein Auftrag, der Kalenderwoche 12 ausgeliefert werden soll, muss in KW 11 durch die Zerspanung. Diese Zuordnung ist schnell gemacht und hält Wochen.
- Innerhalb der Woche nach Rüstfamilie sortieren. Gleiches Material, gleiche Aufspannung, gleiche Werkzeuge zusammen. Hier entsteht die gewonnene Kapazität.
- Platz für Abrufe freilassen. Eine zu 100 Prozent verplante Woche ist am Dienstag kaputt. Rechnen wir mit einem Tag je Woche, den Sie nicht vergeben. Ob es am Ende ein halber oder anderthalb Tage sind, zeigt sich nach zwei, drei Wochen von selbst – schreiben Sie mit, was Sie tatsächlich kurzfristig einschieben mussten.
- Den Restaufwand gegen den Termin prüfen. Für jeden Auftrag: Wie viele Stunden sind noch offen, wie viele Arbeitstage bleiben bis zum Liefertermin? Stehen bei einem Auftrag noch 34 Stunden aus und bleiben bis zum Termin drei Arbeitstage, ist er bereits überfällig – auch wenn er im Plan unauffällig aussieht.
Schritt 5 ist der, den die meisten überspringen, und der, der über Liefertermintreue entscheidet. Wie man dabei rechnet, steht in Liefertermine realistisch planen.
Kurzfristige Abrufe: einplanen statt jedes Mal umwerfen
Ein Abruf ist kein Störfall, sondern das Geschäftsmodell. Ein Kunde mit Rahmenauftrag ruft ab, wenn er Teile braucht – manchmal mit zwei Wochen Vorlauf, manchmal mit zwei Tagen. Wer jedes Mal die ganze Woche neu sortiert, plant dreimal und fertigt einmal.
Zwei Dinge helfen mehr als schnelleres Umplanen:
Bekannte Abrufer bekommen reservierte Zeit. Wenn ein Kunde seit zwei Jahren jeden Monat zwischen 80 und 120 Teile abruft, ist das keine Überraschung. Der Platz gehört in den Plan, bevor die Mail kommt.
Ein Abruf verdrängt einen anderen Auftrag – sichtbar. Der teuerste Fehler ist die stillschweigende Verdrängung: Der Eilauftrag wird eingeschoben, der verdrängte Auftrag fällt niemandem auf, bis der andere Kunde anruft. Wer den Abruf einplant, sieht sofort, wer dafür wartet, und kann diesen Kunden vorher informieren. Das Vorgehen im Detail: Eilauftrag einplanen, ohne den Plan zu zerstören.
Woran es bei vielen kleinen Losen konkret scheitert
- Rüst- und Laufzeit werden als eine Zahl geführt. Dann sieht ein Los mit 5 Stück fast so teuer aus wie eines mit 50 – und die Reihenfolge nach Rüstfamilie bringt rechnerisch nichts.
- Nur die CNC-Maschinen stehen im Plan. Entgraten, Waschen, Messen und Verpacken sind bei kleinen Losen anteilig teuer und regelmäßig der eigentliche Engpass.
- Der Status kommt aus dem Gedächtnis. Bei 40 parallelen Aufträgen weiß niemand mehr auswendig, welcher davon schon an der Prüfung liegt.
- Zusagen entstehen am Telefon. Ein Termin, der ohne Blick auf die belegte Kapazität zugesagt wird, ist geraten.
Was eine digitale Plantafel davon abdeckt
Eine Plantafel ersetzt keinen ERP- und keinen PPS-Einsatz und rechnet auch keine automatisch optimierte Reihenfolge aus. Sie macht die Entscheidungen sichtbar, die Sie ohnehin treffen.
In Fertigungstakt ist jede Maschine und jeder Arbeitsplatz eine Zeile, die Zeit läuft von links nach rechts, wahlweise als Tag, Woche, zwei oder vier Wochen. Jeder Arbeitsgang trägt Reihenfolge, Rüstzeit, Laufzeit und Maschine; Start und Ende werden entlang der Arbeitszeit dieser Maschine gerechnet, also mit Schichtbeginn, Schichtende und Pause, über Nächte und Wochenenden hinweg. Verschieben und Verlängern geht per Drag & Drop, auch mit dem Finger am Tablet.
Für die Lohnfertigung sind vor allem drei Dinge relevant. Erstens der Backlog mit Filtern: alle ungeplanten Arbeitsgänge an einer Stelle, nach Kunde, Maschine oder Termin gefiltert – die Grundlage, um eine Woche am Stück zu sortieren. Zweitens die Konflikterkennung: Doppelbelegung, Arbeitsgang vor seinem Vorgänger, Ende nach Liefertermin, außerhalb der Arbeitszeit. Verschieben Sie einen Arbeitsgang, wird er neu berechnet; seine Nachfolger werden nicht automatisch nachgeschoben, sondern als Reihenfolgekonflikt gemeldet, damit Sie entscheiden. Drittens die Liefertermin-Ampel je Auftrag, die den Restaufwand gegen die verbleibende Zeit rechnet – genau Schritt 5 von oben, nur eben laufend.
Für den Einstieg aus einer bestehenden Liste gibt es einen CSV-Import in drei Schritten mit Spaltenzuordnung und Vorschau. In der Werkstatt zeigt der Maschinenmonitor am Tablet je Maschine, was jetzt, danach und heute ansteht, mit den Knöpfen Starten, Pause, Problem und Fertig. Was dabei nicht enthalten ist: Materialplanung, Kalkulation, Maschinenanbindung.
Ihr nächster Schritt
Bevor Sie über Software nachdenken, beantworten Sie diese vier Fragen für Ihren Betrieb:
- Führen Sie Rüst- und Laufzeit getrennt – oder nur eine Gesamtzeit je Arbeitsgang?
- Welche zwei bis drei Maschinen sind tatsächlich Ihr Engpass, und stehen die Handarbeitsplätze dabei?
- Wie viel Ihrer Wochenkapazität geht regelmäßig an kurzfristige Abrufe, und ist dieser Anteil im Plan reserviert?
- Können Sie für einen beliebigen Auftrag in unter einer Minute sagen, wie viele Stunden noch offen sind?
Wo Sie bei mehr als einer Frage zögern, liegt Ihr Ansatzpunkt – und in den meisten Fällen ist es nicht die Planungsmethode, sondern die Sichtbarkeit. Welche Software dafür in Frage kommt, vergleicht Software für Lohnfertiger.
Maschinen anlegen, Aufträge draufziehen, Liefertermine im Blick behalten – ohne ERP-Projekt.
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