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Liefertermintreue verbessern: 7 Stellschrauben für kleine Fertigungsbetriebe
Liefertermintreue entsteht nicht in der Halle, sondern bei der Zusage. Sieben konkrete Stellschrauben, mit denen kleine Fertigungsbetriebe ihre Termintreue verbessern – von der geprüften Zusage über den Puffer bis zum Anruf vor dem Termin.
Liefertermintreue ist die eine Zahl, an der Kunden einen kleinen Fertigungsbetrieb messen – oft ohne sie je auszusprechen. Wer pünktlich liefert, bekommt den nächsten Auftrag. Wer zweimal zu spät ist, bekommt die Anfrage nur noch, wenn der andere Lieferant keine Zeit hat. Dabei ist Termintreue kein Fleißthema. Betriebe, die unpünktlich liefern, arbeiten meist mehr als die pünktlichen. Sie arbeiten nur an den falschen Aufträgen, oder sie haben Termine zugesagt, die nie zu halten waren.
Die sieben Stellschrauben hier sind nach Wirkung sortiert. Die erste bringt am meisten und kostet am wenigsten.
1. Termine prüfen, bevor sie zugesagt werden
Die häufigste Ursache für verpasste Termine ist die Zusage selbst. „Drei Wochen“ klingt vernünftig, aber ob in drei Wochen die Fräse Platz hat, weiß beim Telefonat niemand. Der Termin wird geschätzt, und zwei Wochen später stellt sich heraus, dass vier andere Aufträge vor ihm liegen.
Die Stellschraube: Vor der Zusage den Auftrag mit seinen Arbeitsgängen an das Ende der Maschinenzeilen legen und das berechnete Ende ablesen. Zwei Minuten. Wenn das Ende nach dem Wunschtermin liegt, ist die Zusage entweder ein anderer Termin oder eine bewusste Umplanung – aber keine Hoffnung. Wie das im Detail geht, steht in Liefertermine in der Fertigung realistisch planen.
2. Einen Puffer setzen, der etwas abfängt
Ein Termin, der genau auf das berechnete Ende gelegt wird, hält nur, wenn nichts passiert. Es passiert aber immer etwas. Der Puffer zwischen geplantem Ende und zugesagtem Termin ist das, was Störungen schluckt.
Die Faustregel für kleine Betriebe: ein bis zwei Arbeitstage bei Aufträgen unter einer Woche Durchlauf, drei bis fünf bei längeren. Wichtig ist, dass der Puffer hinter dem Auftrag liegt und nicht in jeden Arbeitsgang eingerechnet wird – sonst wird er überall ein bisschen verbraucht und ist am Ende weg.
3. Die richtigen Aufträge zuerst
Wenn zwei Aufträge um dieselbe Maschine konkurrieren, entscheidet die Reihenfolge, welcher pünktlich wird. In vielen Betrieben entscheidet das die Reihenfolge des Eingangs, die Lautstärke des Kunden oder die Gewohnheit des Bedieners. Keins davon hat mit dem Termin zu tun.
Die Stellschraube: Am Engpass läuft der Auftrag mit der wenigsten Luft zuerst – Termin minus Restarbeit, nicht Termin allein. Eine Plantafel mit Terminampel zeigt das direkt: Rot vor Gelb vor Grün. Wie man das sauber entscheidet, beschreibt Fertigungsaufträge richtig priorisieren.
4. Den Engpass kennen und schützen
Termine kippen fast immer an derselben Stelle: an der Maschine, durch die alles muss. Wenn sie steht, weil das Material vom vorigen Arbeitsgang noch nicht da ist, oder weil sie einen Auftrag ohne Termindruck bearbeitet, während ein dringender wartet, geht Termintreue verloren, die nirgends sonst zurückzuholen ist.
Die Stellschraube: Den Engpass identifizieren, ihn nie auf Material warten lassen, ihn nach Terminen und nicht nach Bequemlichkeit belegen. Engpässe in der Fertigung frühzeitig erkennen zeigt, wie man ihn findet.
5. Rüst- und Sollzeiten aus der Wirklichkeit
Ein Plan mit optimistischen Zeiten ist ein Plan, der jede Woche kippt. Wenn das Rüsten im Plan 20 Minuten dauert und in der Halle 45, fehlt am Ende der Woche bei zehn Rüstvorgängen ein halber Tag – und der fehlt genau dem letzten Auftrag der Woche.
Die Stellschraube: Zeiten aus Rückmeldungen nehmen, nicht aus dem Katalog. Wenn die Halle „Start“ und „Fertig“ meldet, kennt man die tatsächliche Dauer und korrigiert die Sollzeit beim nächsten gleichen Teil. Nach ein paar Monaten stimmen die Zeiten, und der Plan hält. Rüstzeiten in der Produktionsplanung geht auf den häufigsten Fehler ein.
6. Störungen sofort in den Plan
Ein Maschinenausfall, ein krankes Teammitglied, ein Werkzeugbruch – das ändert die Termine aller Aufträge dahinter. Wer die Änderung erst am Ende der Woche in den Plan einträgt, hat eine Woche lang mit falschen Terminen gearbeitet und Zusagen auf einen Plan gestützt, der nicht mehr galt.
Die Stellschraube: Jede Störung, die länger als eine Stunde dauert, kommt am selben Tag in den Plan. Die Blöcke rutschen, die Ampel färbt sich, und man sieht sofort, welche Kunden angerufen werden müssen. Das dauert fünf Minuten und ist die beste Investition des Tages.
7. Vor dem Termin anrufen, nicht danach
Manchmal ist ein Termin nicht zu halten – trotz allem. Dann entscheidet nicht die Verspätung über die Kundenbeziehung, sondern der Zeitpunkt der Nachricht. Ein Anruf am Montag („Wird Donnerstag statt Dienstag – passt das?“) ist eine Information. Ein Anruf am Dienstagnachmittag ist ein Versäumnis.
Die Stellschraube: Wer rote Aufträge auf der Tafel sieht, ruft an, sobald sie rot werden. Nicht, wenn der Termin verstrichen ist. Das setzt voraus, dass die Tafel die Termine mit den geplanten Enden vergleicht – von Hand macht das niemand täglich.
Was die sieben Stellschrauben gemeinsam haben
Keine davon erfordert mehr Arbeit in der Halle. Alle sieben erfordern, dass der Betrieb zu jedem Zeitpunkt weiß, wann welcher Auftrag nach Plan fertig wird – und dass er diese Information vor der Zusage, bei der Reihenfolge und bei jeder Störung benutzt. Das ist keine Frage der Disziplin, sondern der Sichtbarkeit: Auf einem Whiteboard sieht man die Termine nicht, in einer Excel-Tabelle rechnet sie niemand nach. Auf einer Plantafel, die Enden rechnet und mit Terminen vergleicht, sieht man sie jeden Morgen.
Ein Betrieb, der diese Sichtbarkeit hat, verbessert seine Termintreue nicht durch Anstrengung, sondern durch die Entscheidungen, die er dadurch anders trifft: welche Zusage er macht, welchen Auftrag er zuerst fräst und wen er am Montag anruft.
Maschinen anlegen, Aufträge draufziehen, Liefertermine im Blick behalten – ohne ERP-Projekt.
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