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Maschinenausfall: So passen Sie die Produktionsplanung schnell an

Wenn eine Maschine ausfällt, entscheidet die erste halbe Stunde über die ganze Woche. Ein Vorgehen in sechs Schritten: Ausfall in den Plan, betroffene Termine sehen, umverteilen, Kunden informieren – und was Sie vorher tun können, damit der Ausfall weniger wehtut.

Aktualisiert am 15.09.2026 5 Minuten Lesezeit Fertigungstakt Redaktion

Die Spindel macht ein Geräusch, das sie nicht machen sollte, und eine Stunde später steht fest: Die Fräse fällt aus, der Techniker kommt frühestens Donnerstag. Auf ihr liegen sechs Arbeitsgänge für diese Woche. Was jetzt passiert, entscheidet, ob am Ende zwei Kunden verspätet beliefert werden oder sechs.

Ein Maschinenausfall lässt sich nicht verhindern. Aber die Reaktion darauf lässt sich in sechs Schritte fassen, die zusammen eine halbe Stunde dauern – und die den Unterschied machen zwischen einem Betrieb, der die Woche rettet, und einem, der sie verliert.

Schritt 1: Den Ausfall in den Plan eintragen – sofort

Der erste Fehler ist der häufigste: Der Ausfall wird in der Halle behandelt, nicht im Plan. Der Meister schiebt Arbeit im Kopf um, die Tafel zeigt weiter die alte Woche, und alle Terminzusagen der nächsten Tage stützen sich auf einen Plan, der seit heute Morgen nicht mehr gilt.

Stattdessen: Die Arbeitszeit der Maschine für die Ausfalltage auf null setzen. Ab diesem Moment rechnet die Tafel die Enden aller betroffenen Arbeitsgänge neu – sie rutschen auf Donnerstag und dahinter –, und die Terminampel zeigt, welche Aufträge dadurch kippen. Das dauert eine Minute und ist die Grundlage für alles Weitere.

Schritt 2: Sehen, was wirklich betroffen ist

Nicht jeder Auftrag auf der ausgefallenen Maschine ist ein Problem. Auf der Tafel zeigt sich nach Schritt 1:

  • Rot: Der Termin ist mit dem verschobenen Ende nicht mehr zu halten. Hier muss gehandelt werden.
  • Gelb: Der Termin ist knapp, hält aber noch. Beobachten, nicht anfassen.
  • Grün: Der Auftrag hatte Luft, der Ausfall frisst sie – ohne Folgen für den Kunden.

Von sechs Arbeitsgängen sind typischerweise zwei rot. Um die geht es. Die anderen vier bleiben, wo sie sind, und laufen ab Donnerstag.

Schritt 3: Umverteilen – was technisch geht

Für die roten Aufträge gibt es drei Möglichkeiten, in dieser Reihenfolge:

Auf eine andere Maschine ziehen. Kann die zweite Fräse den Arbeitsgang machen, auch wenn sie kleiner oder langsamer ist? Der Block wird auf die andere Zeile gezogen, die Tafel rechnet das neue Ende, die Ampel zeigt, ob es reicht. Das Programm muss angepasst werden, das Spannmittel gewechselt – das kostet Zeit, aber weniger als drei Tage Stillstand.

Reihenfolge auf der anderen Maschine ändern. Wenn die zweite Fräse voll ist, muss dort etwas weichen. Der Auftrag mit der meisten Terminluft rutscht nach hinten, der rote kommt davor. Fertigungsaufträge richtig priorisieren beschreibt, wie man das entscheidet.

Fremdvergabe. Für Arbeitsgänge, die keine eigene Maschine übernehmen kann: den befreundeten Betrieb anrufen. Das ist teuer, aber bei einem Auftrag, der sonst eine Konventionalstrafe auslöst, die richtige Entscheidung – und sie lässt sich nur treffen, wenn man am Montag weiß, dass es nötig ist, nicht am Donnerstag.

Schritt 4: Die Reihenfolge nach dem Ausfall festlegen

Wenn die Maschine am Donnerstag wieder läuft, wartet der Rückstand. Die Frage ist, in welcher Reihenfolge er abgearbeitet wird. Nicht in der alten – die galt für eine Woche, die es nicht mehr gibt. Sondern nach Termin: Der Auftrag mit der wenigsten Luft zuerst. Die Tafel zeigt das, wenn die Blöcke nach dem Ausfall neu sortiert werden.

Was dabei oft vergessen wird: Die Folgearbeitsgänge. Ein Auftrag, der auf der Fräse drei Tage später fertig wird, kommt drei Tage später zum Prüfplatz und drei Tage später ins Entgraten. Wenn die Tafel Arbeitsgänge verkettet, rutschen sie mit. Wenn nicht, muss jemand sie von Hand nachziehen – und vergisst einen.

Schritt 5: Kunden anrufen – heute

Für Aufträge, die trotz Umverteilung rot bleiben, gilt: Der Anruf kommt am Tag des Ausfalls, nicht am Tag des Termins. „Unsere Fräse ist ausgefallen, Ihr Teil wird Freitag statt Mittwoch – passt das, oder brauchen Sie eine Teillieferung?“ Fast jeder Kunde kann mit dieser Information umgehen. Mit einer Verspätung ohne Vorwarnung kann keiner umgehen.

Dieser Schritt setzt Schritt 1 bis 4 voraus. Wer den Ausfall nicht im Plan hat, weiß nicht, wen er anrufen muss.

Schritt 6: Den Plan nach der Reparatur wieder geraderücken

Wenn die Maschine läuft, kommt die Arbeitszeit zurück in den Plan. Meist ist sie erstmal anders: eine Stunde länger am Donnerstag und Freitag, um aufzuholen, vielleicht ein Samstag. Das kommt in die Arbeitszeit der Maschine, die Tafel rechnet neu, und die Ampel zeigt, ob der Rückstand bis Ende der Woche abgebaut ist oder in die nächste reicht. Wie man einen Rückstand systematisch abbaut, ohne die nächste Woche gleich mit zu verlieren, steht in Auftragsrückstand in der Fertigung abbauen.

Was Sie vor dem nächsten Ausfall tun können

Ein Ausfall tut umso weniger weh, je besser der Betrieb vorbereitet ist. Drei Dinge, die sich lohnen:

Luft im Plan. Eine Maschine, die zu 100 Prozent verplant ist, hat keine Reserve für den Ausfall der Nachbarmaschine. Bei 85 Prozent kann die zweite Fräse zwei Aufträge der ersten übernehmen. Warum das grundsätzlich richtig ist, erklärt Maschinenauslastung planen.

Wissen, was wo laufen kann. Welche Arbeitsgänge können auf welcher Maschine laufen? Das steht in keinem System, aber im Kopf des Meisters – und wenn er es einmal aufschreibt, kann im Ausfall auch jemand anders umplanen.

Der Engpass bekommt Vorrang bei der Wartung. Ein Ausfall an der Maschine, durch die alles muss, kostet den ganzen Betrieb. Ein Ausfall an einer Maschine mit Alternativen kostet eine Umplanung. Wartungsintervalle sollten das widerspiegeln. Welche Maschine der Engpass ist, zeigt Engpässe in der Fertigung frühzeitig erkennen.

Die halbe Stunde, die die Woche rettet

Ausfall eintragen, Ampel lesen, rote Aufträge umverteilen, Reihenfolge festlegen, Kunden anrufen: Das ist die halbe Stunde. Wer sie am Vormittag des Ausfalls investiert, hat am Nachmittag wieder einen Plan, der gilt – und Kunden, die Bescheid wissen. Wer sie nicht investiert, hat am Donnerstag eine Maschine, die wieder läuft, und keine Ahnung, in welcher Reihenfolge.

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